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Fastnacht |


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Lachsalven bei Synchronschwimmern Fastnacht: Bei der Sitzung in Wald-Erlenbach bleibt kein Auge trocken – Protokoller mit Malheurs in eigener Familie WALD-ERLENBACH. Es war einmal hinter den sieben Bergen bei den Wald-Erlenbachern, da feierte man eine Faschings-Party, von der man noch lange sprechen wird. Motto: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Was anderswo der Elferrat, das waren am Samstagabend im ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus sieben Wichtel mit ihrer imposanten Chefin. Da aber der Wald-Erlenbacher eher groß gewachsen ist, marschierten die Winzlinge tapfer auf den Knien ein – und sorgten so für den ersten Brüller des Abends. Die Veranstaltung war noch keine zehn Minuten alt und schon galt es, zum zweiten Mal Lachtränen zu trocknen und nach Luft zu japsen: Herein „schwebte“ ein Schneewittchen im XXL-Format – unverkennbar Sitzungspräsident Stefan „Teddy“ Samstag, der als holdes Wesen allerdings eher etwas Bedrohliches an sich hatte. Mit der langen Haarpracht kämpfend begrüßte Schneewittchen den ersten Büttenredner. Wer sollte es anderes sein, als Werner Tremper, der Protokoller. Auch diesmal hat er im Jahresverlauf wieder allerlei Amüsantes im Dorf aufgeschnappt. Diesmal passierte in den eigenen vier Wänden des Protokollers genug, um ganze Lachsalven im Saal auszulösen. Wie war das mit der Gattin, die irgendwann im Juni um 0.30 Uhr ab Heppenheim per Bus in den Urlaub fahren wollte, und um Mitternacht aufschreckte und feststellte, dass sie einen Tag zu spät dran war? Köstlich, wie Tremper schilderte, wie er innerhalb weniger Minuten der Frau den Koffer gepackt hat (samt seinen Unterhosen!) und man es noch pünktlich in die große Stadt geschafft hat. Doch wer ein nasses Handy im Backofen trocknet und sich dann über die krumme Form des Telefons wundert, der darf seiner Frau solch einen Fauxpas nicht nachtragen . . . Die Mädels von der Jazztanzgruppe der KSG Mitlechtern kamen gerade recht, um Zwerchfell und Lachmuskeln wieder ein wenig zu entspannen. Als „Blues Brothers“ mit roten Hüten und einer gehörigen Portion Sexappeal heizten die sechs jungen Damen vor allem den Männern kräftig ein. Mit grauem Arbeitskittel, Strohhut und Bierflasche in der Hand, marschierte „de Stebbes“, alias Teddy Samstag, in die Bütt. Er kalauerte, dass es eine Freude war: „Vorhin hab’ ich en Glas Milch getrunke, jetzt waß ich, warum Babies immer so kreische!“ Mit seiner Frau hat der Arme seine liebe Müh, die wirft ihm sogar vor, ein schlechter Liebhaber zu sein. „Ich find’, des kann ma in 60 Sekunne gar net beurteile!“ Ihr Fett weg bekamen natürlich die Kerschhaiser. Da erzählte der eine dem anderen, er sei schon wieder durch die Fahrprüfung gefallen. Warum? Vorm Kreisverkehr hätte eine Schild mit einer 30 drauf gestanden – und da sei er halt dreißig Mal im Kreis gefahren. Darauf der andere Kerschhaiser: „Da haste dich bestimmt verzählt!“ Eine (fast) waschechte Volkstanzgruppe aus Bulgarien sorgte dafür, dass der Stimmungspegel im Saal weiter anstieg. Schick in Landestracht gewandet, schwenkten die Damen vom Turnverein Fähnchen und Tücher und wirbelten übers Parkett. Höhepunkt war der Auftritt von Hermann Bentlage und Peter Roth: Mit einer Rose zwischen den Zähnen tänzelten die ergrauten Herren anmutig im Slalom durch die Reihe der Frauen. Köstlich! Stefan Lulay und Tilo Rauch alias „Sigi und Roy“ hielten darauf ein Zwiegespräch, in dem es von Schlüpfrigkeiten und Zoten nur so wimmelte. Was nach der Pause kam, war sicherlich eines der Highlights der ganzen Heppenheimer Saalfastnacht. Mit blumenverzierten Flipflops beschuht, in Bademänteln nach dem „Dernier crie“ (letzten Schrei) gekleidet und sonnenbebrillt hüpften vier kesse Damen auf die Bühne, die mittlerweile in ein Schwimmbecken verwandelt worden war: Die Damen-Nationalmannschaft der Senioren der Synchronschwimmer ließ kein Auge trocken! Großes Gejohle, als die vier Grazien die Bademäntel ab- und die Badehauben und Chlorbrillen anlegten und sich ins kühle Nass stürzten. Was dann kam, ist kaum zu beschreiben. Aus dem Wasser (beziehungsweise hinter blauer Plastikfolie) tauchten zu Tschaikowskys „Schwanensee“ immer wieder synchron vier Beine oder Arme auf. Dann wieder sah man die vier Nixen mit graziösen Schwimmbewegungen im Kreise sich bewegen. Ein ums andere Mal tauchten sie elegant hinab, um am Ende einen Mund voll Wasser ins begeisterte Publikum zu prusten. Immer wieder gab es Szenenapplaus. Allein die Badeanzüge der vier waren zum Mäusemelken komisch. Großblumige Muster, mehr als eine Nummer zu groß – da gehörte schon eine Menge Mut zu, so aufzutreten. Hut ab, es war brillant. Nicht minder komisch dann der Auftritt von Adam „Adi“ Reimund als Sportler. Im hautengen Telekom-Dress schob er den Drahtesel und berichtete von den Bemühungen, abzunehmen. Grund war die Aussage seiner Frau: „Du ausgediente Adonis, betracht’ doch mal im Spiegel doi Bild, da wird doch koa Oma mehr wild!“ Das ließ sich der Gute nicht zweimal sagen. Nur, dass er sich das Radrennen rund um den Henninger Turm ausgesucht hat, war etwas übertrieben, denn er „hängt auf’m Rad wie de Spatz an de Knoddel“. Ein böses Ende nahm der Versuch, an den Ringen eine gute Figur zu machen. Heillos verwurschtelt hat sich der Möchtegern-Sportler: „Des eine Baa obe, des annere unne, so hat mich am Morgen ’ne Schulklass’ gefunne.“ Und die Knirpse freuten sich riesig: „Wald-Erlebach wird Weltstadt, es macht sich, des Kaff! Mer kriege en Zoo, do hängt schun de Aff’!“ Ein flotter Auftritt der KSG-Chickens forderte die Zuschauer zu rhythmischem Mitklatschen auf. Die sieben Mädels präsentierten ihren mitreißenden „Honey-HipHop“. In Wald-Erlenbach darf natürlich auch eine Boygroup nicht fehlen. Die „Backstoh-Boys“ nahmen musikalisch das Dorfgeschehen aufs Korn. Wieder blieb kein Auge trocken. Wie war das noch gleich mit dem jungen Mann, der mit seiner motorisierten Tupperdos’ (einem Smart!) im Schlamm stecken blieb? Was ein echter Wald-Erlenbacher ist, der weiß sich zu helfen, legt ein Buch aufs Gaspedal und schiiiiiebt an. Hat sogar geklappt das Ganze – fast. Das Auto setzte sich in Bewegung – und kugelte sich mehrmals überschlagend den Hang hinab. Einer nach dem anderem bekam sein Fett weg und wurde besungen. Der größte Hit im Dorfe aber ist seit Samstag „Viva Wald-Erlebach“. Krönender Absch(l)uss war das Männerballett, das das Dorfgemeinschaftshaus in ein Tollhaus verwandelte. Ganz im Stil der siebziger Jahre gekleidet, tänzelten sechs junge Männer durch die Reihen, dass es kein Halten mehr gab. Schwarzer Afrolook mit Koteletten, goldenes Glitzershirt, farbenfrohe Rüschenhemden und dazu coole Sonnenbrillen – allein der Anblick sorgte für spitze Schreie der Begeisterung. Als die sechs dann noch eine perfekte Choreographie zu „Staying Alive“ ablieferten, toste der Applaus. Und wer glaube, das sei nicht mehr zu toppen, der wurde eines Besseren belehrt. Mit einem Mal ertönte das Lied von der Biene Maja und hereingeflattert kam Watzl Wolf mit Flügelchen, eifrig Blütenpollen (Konfetti) streuend. Spätestens jetzt war klar, dass die Risse im und um das Dorfgemeinschaftshaus nichts mit Baufehlern zu tun haben. Die grandiose Wald-Erlenbacher Fastnacht ist schuld daran. (Autorin: Astrid Wagner im Starkenburger Echo am 06.02.2007) |







